Brief von Militärbischof Dr. Walter Mixa, Bischof von Eichstätt

Brief von Militärbischof Dr. Walter Mixa, Bischof von Eichstätt, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Militärseelsorge zur aktuellen Medienberichterstattung:


Liebe Mitbrüder,
liebe Pastoralreferenten,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

01/2002. Der Beginn des Jahres 2002 bringt für die Soldaten und Soldatinnen unserer Bundeswehr neue und schwere Aufgaben im Auslandseinsatz mit sich. Zusätzlich zur Gestellung von Kontingenten in Bosnien-Hercegowina, im Kosovo und in Mazedonien hat die Bundeswehr weitere Aufträge im Bereich der Operationen von "Enduring Freedom" zur Terrorismusbekämpfung und zur Beteiligung an der Friedensschutztruppe in Afghanistan erhalten. Für die Soldaten und ihre Familien sind damit nicht geringe Belastungen verbunden.

Dies wird in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen und anerkannt; unsere Soldaten und Soldatinnen und ihre Angehörigen leisten einen unverzichtbaren Dienst für unser Volk und werden dabei von der Bevölkerung unseres Landes mitgetragen.

Allen Militärseelsorgern, sowohl denen, die unsere Truppen im Auslandseinsatz seelsorglich begleiten, wie auch denen, die für die Soldaten und die Familienangehörigen in der Heimat Sorge tragen, möchte ich heute meinen herzlichen Dank für ihren Dienst sagen, den sie so bereitwillig und engagiert leisten. Das gilt auch für alle, die sie dabei unterstützen.

Unser pastoraler Dienst wird von den Soldaten und ihren Angehörigen erwartet und gern angenommen; die politische Leitung und die militärische Führung der Bundeswehr auf allen Ebenen unterstützt und fördert uns bei der Erfüllung der Seelsorgeaufgaben.

In dieser Situation verwundert es mich einigermaßen, wenn in Teilen der Presse und der sonstigen Medien ein Vorgang in völlig unangemessener und z.T. falscher Diktion berichtet und kommentiert wird, der sich im Zusammenhang mit meinem Aufenthalt bei unseren Soldaten in Mazedonien und im Kossovo nach den Weihnachtsfeiertagen abgespielt hat.

Dazu möchte ich Ihnen heute einige Informationen geben, damit Sie in Ihrem jeweiligen Aufgabenbereich die nötige Aufklärung geben können. Das scheint mir erforderlich, um einer möglichen Schädigung unserer gemeinsamen Seelsorgearbeit entgegenzutreten.

In der Zeit vom 26. bis zum 29. Dezember des vergangenen Jahres habe ich eine Pastoralreise zu den deutschen Soldaten und Soldatinnen und ihren katholischen Militärgeistlichen in Mazedonien und im Kosovo unternommen, der zugleich als offizieller Besuch bei der Truppe nach den entsprechenden Vorschriften der Bundeswehr anzusehen war. Dabei wurde ich von einigen Mitbrüdern und Mitarbeitern aus der Militärseelsorge begleitet. Die Aufnahme durch die Besuchten vor Ort war sehr freundlich und aufmerksam; ich selbst bin für die Begegnungen und Gespräche dieser Tage, nicht zuletzt auch für die Gottesdienste, die wir gemeinsam feiern konnten, von Herzen dankbar.

Im Verlauf dieser Reise stattete ich auch, und zwar in meiner Eigenschaft als Bischof von Eichstätt, dem für Mazedonien zuständigen katholischen Ortsbischof von Skopje einen Besuch ab, wie es in der katholischen Weltkirche übliche Gepflogenheit ist. Auf seine Bitte hin nahm ich von ihm einen größeren Barbetrag in DM entgegen, um ihn in Deutschland auf ein Konto einer kirchlichen Bank einzuzahlen. Bei diesem Geldbetrag handelte es sich um kirchliche Mittel des Bischofs von Skopje.

Bei der Übergabe waren verantwortliche Mitarbeiter des Bischofs von Skopje anwesend, die es allerdings versäumten, mich auf besondere devisenrechtliche Bestimmungen aufmerksam zu machen, die in der Republik Mazedonien in Geltung sind und sich von denen in der EU und der Bundesrepublik Deutschlands unterscheiden. So ging ich guten Glaubens davon aus, der Bitte des mazedonischen Bischofs entsprechen zu können.

Bei der Ausreise aus Mazedonien habe ich den fraglichen Barbetrag, der sich offen in meinem Handgepäck befand, auf Anfrage den mazedonischen Zollbeamten deklariert und auf deren Aufforderung dann übergeben; er wurde vorläufig sichergestellt. Die deutsche Botschaft in Skopje hat mir auf meine Bitte hin notwendige konsularische Unterstützung gewährt. Über die Aufnahme eines entsprechenden Protokolls durch den mazedonischen Zoll hinaus wurden durch die dortigen Behörden m.W. keine weiteren Maßnahmen ergriffen.

Zwischenzeitlich habe ich die erforderlichen Veranlassungen getroffen, durch die sichergestellt wird, dass die Angelegenheit, die letztlich auf Mißverständnissen beruht, mit den zuständigen mazedonischen Dienststellen abschließend geklärt und der Geldbetrag an den Eigentümer zurückerstattet wird. Durch einen offensichtlich in der Tendenz gegen die KFOR-Truppe gerichteten Beitrag der Zeitung "Dnevnik" in Skopje wurde der Vorgang in einer sachlich stark verzeichneten Weise öffentlich und dann - wiederum z.T. in spekulativer Absicht - von deutschen Medien kolportiert. Meine Bischöfliche Pressestelle in Eichstätt hat die notwendigen Richtigstellungen vorgenommen.

Bitte tragen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten dazu bei, dass der geschilderte Vorfall, sofern es erforderlich scheint, in korrekter Weise bekannt gemacht und vor allem dementsprechend bewertet wird. Auf keinen Fall sollten wir uns in unserer Seelsorgearbeit beeinträchtigen lassen.

Mit allen guten Wünschen grüßt Sie
Ihr im Herrn verbundener

Ihr

Dr. Walter Mixa
Katholischer Militärbischof
für die Deutsche Bundeswehr
Bischof von Eichstätt

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