22. Soldatenfußwallfahrt nach Altötting, 06. - 08. Mai 2002

Soldaten beten um den Frieden

Pilger der Marschgruppe aus Cham, Regensburg und Umgebung
Altötting, 6.-8. 5.2002. Wenn Soldaten marschieren, dann ist das an sich noch nichts ungewöhnliches. Wenn dabei aber fromme Lieder gesungen und der Rosenkranz gebetet werden, dann reiben sich Spaziergänger schon einmal die Augen ob dieser eindrucksvollen Erscheinung, die über Wiesen, Felder und Straßen unterwegs gewesen ist. Inzwischen ist diese Soldatenwallfahrt der Seelsorgebezirke Cham, Regensburg, Weiden, Bogen und Amberg nach Altötting zu einer festen Tradition geworden. Seit 1959 - kurz nach der Gründung der Deutschen Bundeswehr - pilgern Soldaten zu dem oberbayerischen Marienwallfahrtsort. In den ersten Jahren kamen die Pilger noch mit Sonderzügen nach Altötting, doch schon im Jahr 1967 trat neben den über 600 Zug-Wallfahrern die erste Marschgruppe zu Fuß den Pilgerweg an. Inzwischen ist diese Soldatenfußwallfahrt nach Altötting zu einer festen Institution im Programm der Militärseelsorge geworden, die in diesem Jahr zum 22. Mal stattfand.

Es sei bestimmt nicht einfach, die Gründe nachzuvollziehen, warum sich Menschen auch in unserer heutigen Zeit den Belastungen einer Wallfahrt aussetzen, noch dazu, wenn es zu einem Ort der Marienverehrung gehe, sagte Militärdekan Hans Meyer, Katholischer Standortpfarrer Ingolstadt beim Eröffnungsgottesdienst. Die Bedeutung der Gottesmutter könne man aber auf zwei Arten verstehen: "Sie ist einerseits eine Frau aus dem Gottesvolk, die mit uns auf Jesus Christus schaut - so ist sie eine von uns. Andererseits steht sie uns auch als ein von Gott in Vollendung erlöster Mensch vor Augen. Daher dürfen wir zu ihr hinblicken und ihre Fürsprache erbitten." Der Rosenkranz sei deshalb auch ein Gebet, in dem wir durch die Augen Mariens auf ihren Sohn Jesus schauen können, um sein Leben und seine Botschaft zu betrachten.

Von der Ortschaft Ergoldsbach begannen rund 100 Soldatinnen und Soldaten den dreitägigen Marsch über Vilsbiburg und Erharting bis Altötting, an ihrer Spitze der Katholische Leitende Militärdekan Reinhold Bartmann aus München, begeleitet von zahlreichen Militärgeistlichen und Pfarrhelfern aus der Militärseelsorge. Wertvolle Unterstützung zum Gelingen der Wallfahrt leistete der Feldküchentrupp des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen, der mit der mobilen Feldküche an jeder Raststation für das leibliche Wohl der Pilger sorgte und auf diese Weise die Kameraden dazu motivierte, trotz schmerzender Füße die letzten Kilometer bis zum nächsten Verpflegungspunkt mit einem Lied auf den Lippen zu bewältigen.

Pilger der Marschgruppe aus Erding
Auch wenn sich die Sanitätssoldaten in den Ruhepausen reichlich um die schmerzenden Gehwerkzeuge kümmern mussten, mussten erfreulich wenige Ausfälle unter den Marschierern verzeichnet werden, angesichts der Tagesdistanzen von über 40 Kilometern und einem zügigen Marschtempo eine beachtliche Leistung, die den Kameraden alle Ehre machte, wie die Marschgruppenführer betonten.

Seit dem Heiligen Jahr 2000 beteiligen sich auch Soldaten aus den Seelsorgebezirken Erding/Freising, Bad Reichenhall, Mittenwald, Sonthofen, München, Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren, Landsberg und Ingolstadt und den benachbarten Standorten mit einer eigenen Marschgruppe an der Soldatenwallfahrt. Die mit ungefähr 40 Pilgern überschaubarere Pilgergruppe brach von der Ortschaft Anzing auf. Die beiden großen Tagesetappen endeten in Haag in Oberbayern und Polling. Auch in diesem Jahr ließ es sich Militärgeneralvikar Prälat Walter Wakenhut nicht nehmen, das Pilgerkreuz selbst in die Hand zu nehmen und diese Marschgruppe persönlich anzuführen. "Neben der spirituellen Erfahrung und den gemeinsamen kameradschaftlichen Erlebnissen hat eine solche Wallfahrt auch Signalwirkung in die Öffentlichkeit", betonte Wakenhut. "Soldaten beten um den Frieden" - diese christliche Grundhaltung sei besonders in unserer Zeit wertvoll für den soldatischen Dienst.

Dieser positive Eindruck, den die Wallfahrer auf ihrem Pilgerweg ausstrahlten, fand sich auch in der Gastfreundschaft der vielen Familien bestätigt, die den Wallfahrern an den Etappenzielen ein Nachtquartier anboten. Groß war da oft die Enttäuschung, wenn bei dem abendlichen Aufteilen in die Gastfamilien wegen der großen Hilfsbereitschaft manche Interessenten "keinen Soldaten mehr abbekommen hatten". Da gab es auch keinen Soldaten, der am nächsten Morgen, trotz der frühen Stunde, nicht mit einem, die Kräfte stärkenden, Frühstück versorgt worden wäre.


Einzug in die Wallfahrtsbasilika in Altötting
Dieser positive Eindruck, den die Wallfahrer auf ihrem Pilgerweg ausstrahlten, fand sich auch in der Gastfreundschaft der vielen Familien bestätigt, die den Wallfahrern an den Etappenzielen ein Nachtquartier anboten. Groß war da oft die Enttäuschung, wenn bei dem abendlichen Aufteilen in die Gastfamilien wegen der großen Hilfsbereitschaft manche Interessenten "keinen Soldaten mehr abbekommen hatten". Da gab es auch keinen Soldaten, der am nächsten Morgen, trotz der frühen Stunde, nicht mit einem, die Kräfte stärkenden, Frühstück versorgt worden wäre.

Am Morgen des dritten Wallfahrtstages vereinigten sich schließlich beide Marschgruppen vor den Toren der Altöttinger Altstadt, um in einer feierlichen Prozession unter dem Geläut der Kirchenglocken in die Wallfahrtsbasilika St. Anna einzuziehen. Begleitet wurden die Soldatinnen und Soldaten dabei vom Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr und Bischof von Eichstätt, Dr. Walter Mixa; von Generalmajor Karl-Heinz Lather, Kommandierender General II. Korps (GE/US) aus Ulm und Generalmajor Kersten Lahl, Befehlshaber im Wehrbereich IV, München. Der Applaus der an der Wegstrecken stehenden Menschen galt dabei neben dem, die Prozession anführenden Heeresmusikkorps 4 aus Regensburg, vor allem der Pilgerleistung der vielen Soldatinnen und Soldaten, die in diesem Moment am ersehnten Ziel einer sicherlich strapaziösen und herausfordernden Wallfahrt angelangt waren.

Beim festlichen Gottesdienst vor 600 soldatischen und zivilen Pilgern in der Basilika verglich Militärbischof Walter Mixa das Leben mit einem Pilgerweg, wie er in den vergangenen Tagen von den Pilgern erfahren werden konnte: "Auch in unserem Leben gibt es schwere Wegstrecken, auf denen wir uns buchstäblich Blasen laufen können. Es gibt viele Hindernisse und Steine, die uns im Weg liegen." Bei allen Belastungen und Hindernissen dürfe man aber darauf vertrauen, dass Jesus Christus bei diesem Pilgerweg des Lebens an der Seite der Menschen geht. Und auch diese Pilgerreise hat ein eindeutiges Ziel: durch Leid und Tod zu einem bleibenden und erfüllten Leben bei Gott zu gelangen.

Nach dem Pilgergottesdienst: Militärbischof Mixa mit Militärgeistlichen, Pfarrhelfern und Soldaten
"Aus dem Glauben können wir die Kraft nehmen auf diesem Weg, Kraft geben sich Kameraden auch gegenseitig." Gerade wenn man Ereignissen wie dem Amoklauf in Erfurt gegenüberstehe, die einen Menschen zutiefst erschüttern, müsse man bewusst auf Gott sehen und sich an ihm orientieren. "Ohne Gott kann der Mensch nicht leben - ohne ihn gibt es keine Erfüllung der tiefen Sehnsüchte nach Frieden und Gerechtigkeit", hob Mixa hervor.

Zum Ende des Festgottesdienstes hob Militärdekan Reinhold Bartmann die Verdienste der Organisatoren und Helfer bei dieser Soldatenwallfahrt hervor, an der Spitze die Pfarrhelfer Josef Gleixner aus Cham und Wolfgang Jussen aus Erding, sowie Pastoralreferent Hans Rückerl, ebenfalls aus Cham. Besonders die beiden Pfarrhelfer seien die Seele dieser Wallfahrt und maßgeblich für die tadellose Durchführung und die reibungslose Koordination der Veranstaltung verantwortlich gewesen. Reinhold Bartmann dankte auch den beteiligten Kommandeuren für die großzügige technische, personelle und ideelle Unterstützung.

Beim gemeinsamen Eintopfessen, das dem Pontifikalamt folgte, beeindruckte das Heeresmusikkorps 4 aus Regensburg unter Leitung von Stabsfeldwebel Rösser die Wallfahrer und besonders die vielen zivilen Pilger aus Nah und Fern bei einem Standkonzert. Bevor die Soldatenwallfahrt mit der gemeinsamen Andacht in der Wallfahrtsbasilika schloss, nutzten die Soldaten die Gelegenheit, die anderen Kirchen und Wallfahrtsstätten in Altötting, besonders die Gnadenkapelle zu besuchen.

Organisatoren, Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sowie die vertretenden Kommandeure äußerten den Wunsch, diese Soldatenfußwallfahrt in der bewährten Form auch in Zukunft durchzuführen. Mit dieser Wallfahrt biete die Militärseelsorge eine Veranstaltung, die in besondere Weise die "Kirche unter den Soldaten" in der Gesellschaft repräsentiere.

Text und Fotos: Jochen Scherzer KMBA

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